Begriffsverständnis

Die Grundlage für unsere Arbeit sowie unser Begriffsverständnis stellt das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) dar.

"Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können." (UN-BRK, Art. 1 "Zweck")

Diese Begriffsbestimmung verdeutlicht zwei Dimensionen der Behinderung: Die "körperliche" Dimension, welche als Beeinträchtigung bezeichnet wird, und die soziale Dimension, die Behinderung, welche durch Barrieren hervorgerufen wird. In der Konsequenz bedeutet dies, dass Menschen beeinträchtigt sein können, aber nicht behindert werden müssen. Ziel der Umsetzung der UN-BRK im Hochschulkontext ist somit insbesondere der Barriereabbau, um Behinderungen zu reduzieren beziehungsweise langfristig gänzlich abzubauen.

Das Begriffsverständnis basiert auf einer veränderten Perspektive auf das Konstrukt "Beeinträchtigung/Behinderung". Im früher im wissenschaftlichen Kontext vorherrschenden medizinischen Modell wurde die Ursache der Behinderung im Individuum verortet. Das nun verbreitetere soziale Modell führt die Behinderung auf gesellschaftliche und somit soziale Barrieren zurück, welche außerhalb des Individuums liegen, und vermeidbar sind. Weitere wissenschaftliche Gedanken zu dem individuellen und sozialen Modell sowie einem weitergedachten kulturellen Modell, welches unter anderem die Dichotomie zwischen Nicht-Beeinträchtigung und Beeinträchtigung thematisiert, finden Sie bei Anne Waldschmidt unter folgendem Link.

Das Begriffsverständnis, welches die UN-BRK zugrunde legt, findet sich in ähnlicher Weise ebenso im Gesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (BGG) sowie Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX) wieder.

Wenn Sie Fragen haben, steht Ihnen Stefanie Dreiack gern zur Verfügung:

Mail: s.dreiack@chancengleichheit-in-sachsen.de

Auf dem Weg zu inklusiven Hochschulen in Sachsen

Wichtige Schritte im Jahr 2018

An allen Hochschulen und der Berufsakademie in Sachsen wurden 2018 Aktionspläne zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet (einige Aktionspläne finden sich hier). Diese bauen teilweise auf bereits durchgeführten Maßnahmen an den Hochschulen auf. Mit den Aktionsplänen liegen nun in allen Einrichtungen hochschulangepasste Maßnahmenpakete als Grundlage für die jeweiligen Entwicklungen hin zu inklusiven Hochschulen vor. Dies ist eine positive Situation, die mit keinem anderen Bundesland in Deutschland vergleichbar ist. In Kombination mit den Aktionsplänen tragen die Inklusionsmittel nachhaltig zur Verbesserung der Situation im Bereich Teilhabe von Student*innen und Mitarbeiter*innen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen an den Hochschulen bei.

Im Rahmen vieler Veranstaltungen wurde 2018 der Schwerpunkt auf die Sensibilisierung von Mitarbeiter*innen und Student*innen an den sächsischen Hochschulen sowie der Berufsakademie für inklusive Hochschulentwicklung gelegt. Beispiele dafür sind:

Auch Prozesse, wie die Anpassung des Leitbildes an der BA Sachsen im Hinblick auf die Zielstellung der chancengerechten Teilhabe von Studierenden und Mitarbeiter*innen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen tragen in hohem Maße zu einer Sensibilisierung und einem Kulturwandel bei. Dies geht mitunter einher mit einer stärkeren Sichtbarkeit der Entwicklungen an den Hochschulen. So wurde beispielsweise die Technische Universität Dresden im Rahmen der Verleihung des sächsischen Inklusionspreises im Dezember 2018 für das Barrierefreie Leit- und Orientierungssystem (BLO) sowie die AG Studium für Blinde und Sehbehinderte gewürdigt. Derzeit sind an vielen Hochschulen, Universitäten und der Berufsakademie Beauftragte für Studierende mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen bestellt. Zusammen mit den Einrichtungen der Studentenwerke leisten sie einen wichtigen Anteil zur Verbesserung der Teilhabe von Studierenden, insbesondere durch ihre Beratungsleistungen. Eine kleine Auswahl an Maßnahmen und Aktivitäten der einzelnen Einrichtungen möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen:

  • In einigen Einrichtungen wurde das Ziel der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen an Hochschulen in die Hochschulentwicklungsplanung aufgenommen. Beispielsweise an der Technischen Universität Chemnitz
  • An der Hochschule für Grafik und Buchkunst (in Leipzig) wurde eine Workshopreihe ins Leben gerufen, die sich der Thematik „Psychische Beeinträchtigungen bei Studierenden“ widmet.
  • Vielen Einrichtungen haben ihre Informationsangebote für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen sowie deren Zugänglichkeit und Auffindbarkeit verbessert, wie beispielsweise die Technische Universität Bergakademie Freiberg

Parallel zu den verabschiedeten Aktionsplänen sind neue Projekte entstanden: 

  • „Qualifizierung von Bildungsfachkräften in Sachsen. Im Kontext inklusionssensibler Hochschulentwicklung“ (Projekt der Technischen Universität Dresden und der Universität Leipzig, gefördert vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst)
  • „t.e.a.m. ability“ als Beitrag der Universität Leipzig zum Fachkolleg „Inklusion an Hochschulen – gendergerecht“ des Hildegardis Vereins

Die Koordinierungsstelle unterstützt beide Projekte vornehmlich durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit und die Vernetzung auf Landesebene. Inhaltliche Schwerpunkte waren darüber hinaus in vielen Einrichtungen im Jahr 2018 die Prozessgestaltung und Informationsangebote zu Nachteilsausgleichen, wie beispielsweise an der Technischen Universität Chemnitz und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig. Mit den Themen Hilfsmittelpool, barrierefreie Kommunikation sowie Leit- und Orientierungssysteme haben sich ebenfalls viele Hochschuleinrichtungen befasst. Informationen zum Leit- und Orientierungssystem der Technischen Universität Dresden finden sie zum Beispiel hier.

Es war ein herausforderndes Jahr auf dem Weg zu inklusiven Hochschulen in Sachsen, aber durch viele kleine und große Schritte und vor allem eine wachsende Sensibilisierung für die Thematik haben die Hochschulen 2018 viel erreicht. Wir freuen uns darauf, die Hochschuleinrichtungen in Sachsen 2019 auf ihrem Weg zu inklusiven Hochschulen weiter begleiten zu können.

Grafik zur Zahl der Studierenden mit Beeinträchtigung
Grafik zu Formen der Beeinträchtigung, Informationen auch im Fließtext
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Daten & Fakten

15 % der Student*innen in Sachsen weisen laut der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes, welche im Sommersemester 2016 durchgeführt wurde, eine nicht-studienerschwerende Beeinträchtigung auf. Weitere 10 % geben im Rahmen der Erhebung an, dass sie eine studienerschwerende Beeinträchtigung haben. 61 % der sächsischen Student*innen mit studienerschwerender Beeinträchtigung werden durch diese stark oder sehr stark beeinträchtigt. Die Formen der Beeinträchtigung umfassen dabei überwiegend, bezogen auf die Student*innen mit studienerschwerender Beeinträchtigung aller Bundesländer, psychische Beeinträchtigungen (55 %), chronisch-somatische Krankheiten (30 %), Mobilitätseinschränkungen (10 %) und Sehbeeinträchtigungen (10 %), wobei Mehrfachnennungen seitens der Befragten möglich waren.

Quelle: Ergebnisse der 21. Sozialerhebung des DSW

Daten der Best2-Studie für Sachsen

Im Oktober 2018 wurden die Ergebnisse der Studie „beeinträchtigt studieren - best2“ veröffentlicht. Teilgenommen haben in Sachsen die vier Universitäten, vier Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie zwei Hochschulen aus dem Bereich Kunst/Musik/Theater/Tanz.

  • Laut den Befragungsergebnissen sind psychische Erkrankungen die von Student*innen in Sachsen am häufigsten genannte Form der Beeinträchtigung (52,3 Prozent).
  • Chronisch-somatische körperliche Erkrankungen werden von 19,5 Prozent der Student*innen mit Beeinträchtigungen genannt.
  • Des Weiteren wurden die folgenden Formen der Beeinträchtigungen angegeben:

Bewegungsbeeinträchtigungen – 4,9 Prozent
Teilleistungsstörungen – 4,2 Prozent,
Hör- und Sprechbeeinträchtigungen – 3,2 Prozent,
Sehbeeinträchtigungen - 2,4 Prozent,
andere Beeinträchtigungen (z.B. Tumorerkrankungen, Autismus-Spektrum-Störung) – 4,8 Prozent,
psychische Erkrankungen und chronisch-somatische Erkrankungen – 2,2 Prozent
sowie andere Mehrfachbeeinträchtigungen – 6,5 Prozent.

Das Bild zeigt in Form eines Kreisdiagramms, welche Formen der Beeinträchtigungen von Student*innen mit Beeinträchtigungen in Sachsen angegeben werden.
Laut den Befragungsergebnissen sind psychische Erkrankungen die von Student*innen in Sachsen am häufigsten genannte Form der Beeinträchtigung (52,3 Prozent).
Chronisch-somatische körperliche Erkrankungen werden von 19,5 Prozent der Student*innen mit Beeinträchtigungen genannt.
Des Weiteren wurden die folgenden Formen der Beeinträchtigungen angegeben:

Bewegungsbeeinträchtigungen – 4,9 Prozent
Teilleistungsstörungen – 4,2 Prozent,
Hör- und Sprechbeeinträchtigungen – 3,2 Prozent,
Sehbeeinträchtigungen - 2,4 Prozent,
andere Beeinträchtigungen (z.B. Tumorerkrankungen, Autismus-Spektrum-Störung) – 4,8 Prozent,
psychische Erkrankungen und chronisch-somatische Erkrankungen – 2,2 Prozent
sowie andere Mehrfachbeeinträchtigungen – 6,5 Prozent.

Inklusionsarbeit an sächsischen Universitäten und Hochschulen

Die Inklusionsarbeit wird an den sächsischen Hochschulen und Universitäten von verschiedenen Akteur*innen geleistet. Hierbei sind die Beauftragten für Studierende mit Beeinträchtigung und chronischer Erkrankung, die Schwerbehindertenvertretungen, die Student*innenräte, die Verwaltungen und Rektorate sowie Stabsstellen und sogenannte Inklusionsverantwortliche zu nennen. Aber auch alle weiteren Mitarbeiter*innen als auch Student*innen können aktiv zum Abbau von Barrieren und zur Sensibilisierung der Hochschulangehörigen beitragen.

Hier finden Sie eine Übersicht der Inklusionsakteur*innen an den sächsischen Universitäten und Hochschulen sowie an der Berufsakademie, welche primär für die Erstellung und Umsetzung der Aktionspläne zuständig sind.