Sächsische Hochschulen während der Corona-Virus-Pandemie

Chancengleichheit im Blick behalten

Die sächsischen Hochschulen, die Berufsakademie, die Landesrektorenkonferenz und das Sächsische Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus haben im März schnell auf die veränderten Gegebenheiten aufgrund der Corona-Pandemie reagiert. Unter anderem wurden Arbeitszeit-Regelungen flexibilisiert, Home-Office-Möglichkeiten geschaffen und Lehrangebote unter Hochdruck digitalisiert.

Mit dem Semesterbeginn zeigen sich neue Herausforderungen im universitären Alltag. Je nach persönlicher Lebenssituation wirkt sich der veränderte Studien- und Arbeitsalltag unterschiedlich aus bzw. können die Anforderungen unterschiedlich bewältigt werden.

Das Anliegen der Koordinierungsstelle ist es, die Chancengleichheit von Studierenden und Mitarbeitenden an den Hochschulen in Sachsen und der Berufsakademie im Blick zu haben. Auch in Zeiten der Krise dürfen Chancenungleichheit, Benachteiligungen und Diskriminierungen nicht akzeptiert werden, zumal die „Krisensituation“ dazu tendiert, vorhandene Ungleichheiten eher noch zu verschärfen.

Besonders von der derzeitigen Situation betroffen sind unter anderem Personen (Quelle)

  • mit Sorgeverantwortung/Betreuungspflichten (Kinder, Pflege) in verschiedenen Haushalts- und Familienkonstellationen (auch Wohngemeinschaften, Patchwork-Familien etc.), insb. Alleinerziehende
  • mit geringer Teilhabe an Unterstützungsnetzwerken (z.B. Communities, Familien, Wohngemeinschaften), bspw. Internationale Studierende
  • die zu den sog. Risikogruppen zählen
  • mit Beeinträchtigungen, chronischen Erkrankungen (auch psychischen) und Behinderungen
  • mit begrenzten Ressourcen wie Zeit, finanzielle Mittel (prekäre Vertragskonstellationen, wegfallende Nebenjobs Studierender) und Raum (zum Arbeiten/Lehren von zu Hause aus)
  • mit fehlendem Zugang zu technischer Ausstattung (unzureichender Netzanschluss oder Rechnerkapazitäten), Infrastrukturen und Arbeitsmaterialien
  • die unter verstärkter rassistischer Diskriminierung leiden (z.B. racial profiling im Zuge von Kontaktbeschränkungs-Kontrollmaßnahmen, anti-asiatischer Rassismus)
  • die aufgrund der Ausgangsbeschränkungen im eigenen Wohnumfeld von Benachteiligung, Diskriminierung und (häuslicher) Gewalt betroffen sind
  • in beengten Lebensverhältnissen, die physische Distanzierung und notwendige Hygienemaßnahmen nicht in erforderlichem Maße zulassen.

Wie wirkt sich die derzeitige Krisensituation auf die Lebenslagen dieser Personen aus und welche Risiken gilt es im Blick zu behalten? Dazu finden Sie im Folgenden einige Informationen und Empfehlungen.

(Diese Seiten befinden sich im Aufbau und werden fortlaufend ergänzt. Wir freuen uns über Hinweise und Kommentare: info@chancengleichheit-in-sachsen.de. Alle Angaben, speziell URL-Adressen, sind ohne Gewähr.)

Good Practice aus Sachsen
Empfehlungen der Koordinierungsstelle

Empfehlungen zur Situation der Studierenden und Beschäftigten mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen

  • Stellen Sie sicher, dass Beratungsangebote für Studierende und Beschäftigte mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen weiterhin zur Verfügung stehen.

Beauftragte für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen sowie die Schwerbehindertenvertretung können ggf. Telefonsprechstunden anbieten oder digitale Beratungsangebote schaffen. Bitte sorgen Sie dafür, dass die Beratungsangebote sowie Informationen barrierefrei und leicht auffindbar zur Verfügung stehen.

Beratung und Informationen finden Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen auch bei den örtlichen Studierendenwerken sowie der Informations- und Beratungsstelle Studium und Behinderung (IBS) des Deutschen Studentenwerks.

  • Digitale Lehre muss barrierefrei angeboten werden. Bitte achten Sie auf die Einhaltung der BITV.

Viele Lehrende haben ihre Lehrangebote auf digitale Angebote umgestellt. Für Studierende mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen ist das begrüßenswert, weil das Studium damit flexibler und ortsunabhängiger gestaltet werden kann. Wichtig ist es, auf die Barrierefreiheit der digitalen Lehre zu achten. Wenn Sie Fragen dazu haben, können Sie sich sehr gerne an uns wenden! Auf unserer Homepage finden Sie eine Reihe von hilfreichen Handreichungen (Allgemeine Informationen Lehre sowe Barrierefreie Medien). Die Informations und Beratungsstelle Studium und Behinderung des Deutschen Studentenwerks hat dazu ebenfalls eine aktuelle Übersicht zusammengestellt. Im Podcast "Trafohauslehre" des HDS (Folge 5) gibt es hilfreiche Informationen zur "Inklusiven Lehre im digitalen Raum"

  • Lockerungsmaßnahmen im Hochschulbereich bzw. die Rückkehr zu Lehrveranstaltungen im Präsenzformat sowie zur Präsenzarbeit dürfen nicht zur Ausgrenzung von „Risikogruppen“ führen.

Viele Studierende und Beschäftigte mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen gehören zur sogenannten Risikogruppe. An Lehrveranstaltungen im Präsenzformat könnten diese Studierenden derzeit bzw. ggf. bis zur Verfügungstellung eines Impfstoffes nicht teilnehmen.

 

Empfehlungen zur Situation von Studierenden und Beschäftigten mit Sorge- und Familienverantwortung

Die derzeitige Situation wirkt sich besonders stark auf Studierende und Beschäftigte mit Sorgeverantwortung und Betreuungspflichten aus. Studierende und beschäftigte Eltern versuchen, Home Office, Kinderbetreuung und Home Schooling auszubalancieren, was oft eine Verlagerung der Arbeits- und Lernzeiten in den Abend bedeutet, um tagsüber die Kinder zu betreuen und zu beschulen. Zu dieser psychischen Dauerbelastung (auch durch die Pandemie an sich!) kommen oft noch finanzielle Sorgen über wegfallende Nebenjobs Studierender und befristete Vertragsverhältnisse des wissenschaftlichen Personals dazu. Deswegen lautet die erste Empfehlung ganz basal, sich mit Verständnis und Nachsicht zu begegnen – auch das wissenschaftliche Personal ist sehr gefordert, das neben Video- und Telefonkonferenzen unter Hochdruck die Lehre digitalisieren und umstrukturieren durfte.

Um Teilhabemöglichkeiten zu erhöhen, können Lehrende nicht nur das Pensum und den Zeitpunkt der Prüfungen überdenken, sondern auch die eigene Lehre weiter flexibilisieren und nach Möglichkeit asynchron zur Verfügung stellen. Viele Lehrende terminieren ihre Veranstaltungen weiterhin wie gewohnt, studierende Eltern bzw. Studierende mit Kinderbetreuungs- oder auch Pflegeaufgaben können aber nun nicht oder nicht regelmäßig an den Terminen teilnehmen. Lern- und Kompetenzziele der Veranstaltungen können dann ggf. nicht erreicht werden. Diesen Studierenden können Sie helfen, indem Sie die Lehre zeitlich und örtlich so flexibel wie möglich gestalten.

  • Lehrende können Video- oder Audioaufzeichnungen mitlaufen lassen, die dann für das Selbststudium zur Verfügung stehen (unter Beachtung des Datenschutzes). Viele Hochschulen haben eigene Medien-Institute oder -Zentren, die Angebote für die Erstellung von Videomaterial für Forschung und Lehre vorhalten.
  • Auch können alternativ oder zusätzlich weiterhin Einzelfalllösungen (z.B. Selbststudium mit zusätzlichen Leistungsnachweisen o.Ä.) für Studierende mit Kinderbetreuungsengpässen gefunden werden, aber je nachdem, wie groß Ihre Lehrveranstaltungen sind, wäre eine auf die Masse angelegte Flexibilisierung ggf. zeitsparender.   
  • Ermöglichen Sie den Studierenden durch Diskussionen in kleineren Gruppenchats oder ähnlichen Formaten soziale Interaktionen (unter Beachtung des Datenschutzes).    
  • Erkundigen Sie sich nach der „räumlichen und digitalen Grundausstattung“ der Studierenden und berücksichtigen Sie, dass die Gegebenheiten der technischen und räumlichen Infrastruktur sehr unterschiedlich sein können. Manchen Studierenden würde es sicher helfen, wenn sie Zugang zu Lernräumen (natürlich unter Einbeziehung der geltenden Hygienekonzepte) und WLAN der Hochschulen erhalten könnten.
  • Stellen Sie Beratungsangebote und Informationen leicht auffindbar zur Verfügung.

Beratungs- und Unterstützungsangebote finden Sie bei den Familien-Services und -Büros der sächsischen Hochschulen:

Unterstützungsangebote für die Realisierung Ihrer digitalen Lehre mit vielen weiterführenden Hinweisen finden Sie hier: HDS

 

Empfehlungen zur Situation von internationalen Beschäftigten und Studierenden

  • Stellen Sie sicher, dass Beratungsangebote für internationalen Beschäftigten und Studierenden weiterhin zur Verfügung stehen. Achten Sie darauf, wichtige Informationen mehrsprachig zur Verfügung zu stellen.

Für internationale Beschäftigte und Studierende kann die derzeitige Situation eine immense emotionale Belastung darstellen. Hinzu kommen möglicherweise sprachliche Barrieren, ausländerechtliche Fragen und (rassistische) Diskriminierungserfahrungen im Kontext von Corona. Mehrsprachige Informationen (z.B. Hochschule für Musik Dresden) und (digitale oder telefonische) Beratungsmöglichkeiten sind deshalb besonders wichtig.

 

Prüfungen

Die Hochschulrektorenkonferenz unterstreicht, dass Nachteilsausgleiche in Studium und Prüfungen, etwa durch Nicht-Anrechnung des Semesters auf die Regelstudienzeit oder durch die Verschiebung von Prüfungszeitpunkten, für Studierende derzeit besonders wichtig sind. Bitte informieren Sie transparent und gut auffindbar, wie Nachteilsausgleiche beantragt werden können. Achten Sie auf die Ermöglichung verlängerter Bearbeitung- und Abgabezeiten und gewähren Sie Nachteilsausgleiche in Fällen, in denen die Arbeitsleistung nur eingeschränkt erbracht werden kann (aufgrund fehlender Kinderbetreuung etc.).

Allgemeine Informationen für Mitarbeitende und Studierende der einzelnen Hochschulen und der Berufsakademie
Stellungnahmen und Positionen anderer Institutionen
Hilfreiche Links und Leseempfehlungen
 

Informationen für Studierende

 

Corona-Virus und Gleichstellungsfragen

https://bukof.de/service/corona-gleichstellung-und-hochschule-in-der-pandemie/

https://genderblog.hu-berlin.de/interview-frey-corona/

https://taz.de/Krankheit-Pflege-und-Geschlecht/!5675204/

https://www.unwomen.org/en/digital-library/publications/2020/04/policy-brief-the-impact-of-covid-19-on-women

https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-krise-zeit-fuer-protest-1.4878360?reduced=true

https://www.nature.com/articles/d41586-020-01135-9

https://www.insidehighered.com/news/2020/04/21/early-journal-submission-data-suggest-covid-19-tanking-womens-research-productivity

https://www.klischee-frei.de/de/klischeefrei_98328.php

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-04/gleichberechtigung-coronavirus-maenner-frauen-wissenschaftler-politiker-systemrelevante-berufe

https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-04/corona-massnahmen-sozialschutz-unterstuetzung-familien

Weser-Kurier.: Das ist eine Verhoehnung dessen, was Eltern leisten

Blog: Corona und Care von der Friedrich-Ebert-Stiftung

Welt: Frauen und Corona - Die Angst vor der Rolle rueckwaerts in die 50er

Universität Mannheim (u.a. mit Verweis auf eine Studie zu Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung)

Kampagne: Corona-Elterngeld

 

Chancengleichheit

Universität Göttingen

 

Corona-Virus und Barrierefreiheit

 

Hinweise für internationale Studierende (bundesweite Informationen)